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GMH 46 – oder „Wie ich Vereinsmeister wurde“

martinLetztes Wochenende fand wie an jedem 2. Juli-Sonntag wieder der legendäre Lauf rund um Georgsmarienhütte (GMH) statt. Dieser beschauliche Ort wird auf einer großen Runde einmal umlaufen, was sich in der beachtlichen Distanz von 50 km summiert. Neben dem Lauf im Juli (= heiß) gibt es den gleichen Lauf im Dezember (= kalt). Also für jeden etwas dabei! Viele Mythen ranken sich um diesen Lauf:
Ein hügeliger Landschaftslauf mit teilweise heftigen Steigungen. Beim gemeinsamen Schlafen in der Turnhalle findet man keine Ruhe.
Das Duschwasser ist kalt, es sei denn, man gehört zu den 6 schnellsten Läufern. Durch die heftigen Gelage am Vorabend haben viele Läufer am Start noch erheblichen Restalkohol im Blut. Es ist nahezu unmöglich, den nur mit Wanderzeichen gekennzeichneten Weg zu finden.
Für „Hütte“ braucht man nicht extra zu trainieren. Um die 50 km durchzulaufen reicht es, wenn man vorher 2x um die Regattabahn gelaufen ist.
Samstagabend kamen wir gegen 19:30 Uhr zur Turnhalle im Ortsteil Kloster Oesede und wurden von den schon anwesenden Läufern herzlich begrüßt. Anmeldung und Bezahlung waren wie immer persönlich und unproblematisch. 17 Euro für den Lauf mit Übernachtung, Abendessen, Frühstück und Verpflegung während und nach dem Lauf sind unfassbar wenig. Jeder suchte sich einen Schlafplatz in der Halle und taxierte die Nachbarschläfer, ob es sich um einen der gefürchteten Schnarcher handelte. An diesem Samstag war die Halle recht leer, was daran lag, dass einige draußen zelteten, viele morgens erst anreisen und im Sommer sowieso weniger Läufer starten. Zwei Personen sollen sogar im Hotel übernachtet haben ...
Abends gab es Nudeln mit Tomatensoße und die Köstlichkeiten, die die Läufer von zu Hause mitbrachten: Frikadellen, Kekse, Schokolade, Chips, Gummiteile, Negerküsse. Alles leckere Sachen, die ein Hochleistungssportler eben so braucht. Getrunken wurde vor allem Gerstenkaltschale, aber auch ein Kasten Malzbier war zu sehen.
Wobei wir schon beim ersten Mythos sind: Angeblich wird oder wurde viel Bier bis in die tiefe Nacht hinein genossen. Entweder ist das übertrieben oder es hat sich stark geändert, jedenfalls waren um 23 Uhr fast alle im Schlafsack verschwunden.
Das war dann auch gut so, denn um 4:30 Uhr (!) war wieder Betrieb in der Halle. Chef-Organisator Georg und seine fleißigen Helfer brachten das Frühstück und kochten Kaffee.
Die erste Gruppe von Läufern startete schon um 5:30 Uhr. Das sind diejenigen, die langsamer laufen und länger brauchen. Inzwischen umfasst diese Gruppe fast die Hälfte der Sportler. Die übrigen Läufer starteten um 6 Uhr, nachdem sie von Georg mit seinem einzigartigen Humor auf die Strecke geschickt wurden. Die Temperaturen waren noch angenehm niedrig und trotz Sonnenschein hatten wir am Sonntag optimales Laufwetter.
Alle Läufer vom LC Duisburg (Annette, Kerstin, Wolfgang, Peter, Ralf, Michael und ich) starteten von ganz hinten, was sich aber bald änderte. Vom LC waren diesmal nur 7 Läufer am Start, davon einer (Michael) zum ersten Mal. Wir hatten ihm schon so viel von dem Lauf in GMH erzählt, dass er diesmal mitkam, skeptisch aber auch neugierig. Mit seiner Marathonbestzeit von unter 3 Stunden ist er uns läuferisch weitaus überlegen. Aber er kannte die Strecke noch nicht ...
Georg rät den Läufern immer wieder, nicht alleine, sondern in Gruppen zusammen zu laufen, denn es passiert auch Läufern nach mehrfachen Teilnahmen, dass sie an der richtigen Abzweigung vorbei laufen. Die Wiederholungstäter, die die Strecke eigentlich kennen sollten, erkennt man übrigens an gelben (5maligen) oder roten (10maligen Teilnahmen) Shirts. Denen kann man vertrauen. Die kennen den Weg. Meistens.
Anfangs liefen Peter, Michael und ich zusammen in der langen Schlange von Läufern, die sich Sonntagmorgen durch die Gegend schlängelte. Der Weg wird nur durch das Wanderzeichen „Weiße Null auf schwarzem Grund“ gekennzeichnet. Streckenposten wie bei anderen Läufen gibt es nicht. Schon vor der ersten Verpflegung blieb Peter zurück, und ich versuchte mit Michael Schritt zu halten. Nach ca. 14 km kam dann der erste von insgesamt fünf Verpflegungsständen. Michael schnappte sich einen Becher, trank und rannte weiter. Ich staunte nicht schlecht. Dafür komme ich doch nicht nach GMH! An den Verpflegungsstellen gehört doch ein Schwätzchen und/oder ein Flirten dazu!
Unmittelbar nach der ersten Verpflegung ging es steil bergauf. Nahezu alle Läufer müssen gehen. Oben auf dem Berg steht ein beachtlicher Turm, den man unbedingt besteigen sollte. Von oben ist die Sicht noch viel besser als durch den von Kyrill ohnehin gelichteten Wald. Kurz nach dem Turm habe ich Michael aus den Augen verloren und ihn bis zum Ziel nicht mehr gesehen. Von da an lief ich meist allein, wobei ich immer wieder genau auf den Weg und die Markierungen achtete.
Bei dem Lauf in Georgsmarienhütte handelt es sich nicht um einen klassischen Wettlauf. Es gibt keine Startnummer, keine offizielle Zeitnahme, keine Ergebnislisten, keine Siegerehrung. Jeder, der diese Strecke bewältigt, ist ein Sieger! Es handelt sich eher um ein gemeinsames Laufen in familiärer Umgebung. Trotzdem entwickelte sich vor ein paar Jahren bei den Lclern der Titel des (inoffiziellen) „Vereinsmeisters“. Derjenige, der bei GMH zuerst im Ziel ist, darf diesen stolzen Titel tragen.
Doch zurück zum Lauf: Immer mal wieder gab es Abzweigungen, bei denen ich dachte „Hoffentlich hat Michael das Zeichen gesehen.“ Nach einem langgezogenen Abstieg durch den Wald kam ich zur zweiten Verpflegungsstelle. Von Michael war schon nichts mehr zu sehen, und die anderen Lcler kamen auch noch nicht. Kurz darauf ging es hinter einer Garage scharf rechts den Berg hinauf. Hier war ich bei meinem ersten Lauf fast vorbei gerannt.
Es gibt hier Wegstücke, auf denen man plötzlich Dörfer sieht, die vor Kyrill noch nicht da waren.
Zweihundert Meter vor der dritten Verpflegungsstelle bekam ich einen Krampf in der rechten Wade, was mich doch sehr überraschte, weil ich sonst mit Krämpfen keine Probleme habe. Der Schmerz war so stark, dass ich gehen musste. Bei der Verpflegungsstelle dehnte ich mich ausgiebig, und es ging langsam und mit leichten Schmerzen weiter. Ich dachte immer wieder: „Jetzt nur nicht aussteigen müssen.“ Zum Glück konnte ich aber die ganze Strecke durchlaufen.
Vor der vierten Verpflegung kommt man durch eine Waldstück, auf dessen schmalem Weg ich mich vor einem Jahr lang machte, kurz nachdem ich einen anderen Läufer vor den vielen Wurzeln auf dem Teilstück warnte.
Je weiter der Weg fortschritt, desto einsamer wurde es. Ich kam bei der „Marathoneiche“ vorbei, bei der vor der leichten Veränderung der Strecke genau die Marathondistanz zurückgelegt war. Hier wollte Catrin mit ins Rennen einsteigen und Michael auf den letzten 8 Kilometern ins Ziel ziehen. Da Michael aber gewiss schon lange durch war, war natürlich auch Catrin nicht mehr da.
Ein langgezogener Anstieg führte zur letzten Verpflegungsstelle. Noch einmal Cola und Wasser trinken und auf zu den letzten Kilometern! Hier ist die Strecke im letzten Winter etwas geändert worden, so dass sich die „Vielstarter“ etwas schwer tun. Es gibt hier auch ein, zwei Stellen, an denen man abkürzen könnte und den inneren Schweinehund im Zaum halten muss. Aber endlich kam ich zum Kreisverkehr, von dem es nur noch 1 Kilometer zum Ziel zu laufen ist.
Dort erwartete mich Catrin mit Fotoapparat und fragte mich erstaunt, wo denn Michael sei. Sie selber war nicht gelaufen. Er hatte sich – wie sich später heraus stellte – mehrfach verfranzt, so dass ich ahnungslos an ihm vorbei lief.
Und somit war ich: Vereinsmeister!
Michael kam dann ein paar Minuten später, etwas genervt aber trotzdem glücklich, diese Strecke bewältigt zu haben. Wenn man sich die von Catrin geschossenen Fotos ansieht, dann gab es nur glückliche Finisher!
Wolfgang hat den Mythos bestätigt, dass man für GMH kein spezielles Training braucht: Sein längster Trainingslauf war nur 24 km.
Nach dem (warmen!) Duschen kam es zu den Ehrungen: Nicht für die Schnellsten, sondern für 5-, 10-, 20-, 25- und 30-malige Teilnahme. Unfassbar.
Die erstmals teilnehmenden Läufer dürfen jetzt den Ehrentitel „Nuller“ tragen, abgeleitet von dem Wanderzeichen und dem Namen des Wanderweges „Georgsmarienhütter Null“. Nach fünfmaliger Teilnahme sind sie „Berg- und Talführer“ und nach 10maliger „Magister bergum et talum“. Diejenigen, die 20mal gelaufen sind, heißen Millionäre (= 1.000.000 Meter).
Für die neuen Magister wurde dann übrigens noch gesungen. So endete ein schöner Tag. Ich freue mich schon auf die Winter-Hütte am 11. Dezember 2010!
Hier möchte ich mich auch noch einmal im Namen aller Läufer bei Georg und seinem Team bedanken, die alles wie immer mit großer Professionalität aber doch sehr persönlich vorbereitet und durchgeführt haben. Welchen hohen Stellenwert die Veranstaltung bei den Teilnehmern hat, zeigt sich auch daran, dass ein Läufer am Tag vorher geheiratet hat und dann Sonntagmorgen um 6 Uhr am Start stand.

Martin (inoffz. Vereinsmeister)

 

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